AODM (Austrian Odour Dispersion Model)
Kurzbeschreibung
Die Modellberechnungen wurden einerseits
mit der ursprünglich vorliegenden (Schauberger et al., 2000),
andererseits mit der im Rahmen des gegenständlichen Projekts neu adaptierten
Version des Austrian Odour Dispersion Model AODM
durchgeführt. Das AODM besteht aus drei Modulen: das erste berechnet die
Geruchsemission des Tierhaltungsbetriebs, das zweite die Ausbreitung der
Emissionen in seiner Umgebung, der dritte die für die Geruchswahrnehmung
relevante kurzfristige Spitzenbelastung.
Abb. 1: Schematische
Darstellung des dreistufigen Aufbaus der AODM
Im folgenden werden die Eigenschaften des
Ausbreitungsmodells in einem kurzen Abriss beschrieben.
Die Berechnung des Volumenstroms der
Stallabluft basiert auf einem quasi-stationären Bilanzmodell (CIGR, 1984;
Schauberger und Piringer 1999
und Schauberger und Piringer
2000) der sensiblen Wärmeströme, das die
Wärmeabgabe der Tiere, die Transmissionsverluste durch die Bauteile und den
Wärmestrom durch die lüftungstechnische Anlage berücksichtigt. Für die
Wärmeabgabe der Tiere wird die zirkadiane Variation berücksichtigt. Da
lüftungstechnische Anlage in Stallungen einen variablen Volumenstrom haben,
dessen Regelgröße die Stalltemperatur ist, liefert das Modell in Abhängigkeit
von der Außentemperatur den geförderten Volumenstrom (siehe Abb. 2).

Abb. 2: Regelcharakteristik
der lüftungstechnischen Anlage eines Stalles. Bei variablen Volumenstromanlagen
wird der geförderte Volumenstrom für ein Mastschwein mit einer Lebendmasse von
60kg (Stellgröße ist die Versorgungsspannung der Ventilatoren) in Abhängigkeit
von der Stalltemperatur (Regelgröße) verändert. Die Regelung hat zwei
Parameter: Sollwert Tc und
Proportionalbereich DTC. Der
minimale und der maximale Volumenstrom Vmin und Vmax ergeben
sich aus der Auslegungsberechnung der lüftungstechnischen Anlage.
Die Geruchsfreisetzung durch die Tiere
sowie Gülle und Futter wird durch einfaches Modell beschrieben, das den
gleichen Tagesgang wie die sensible Wärme hat (Martinec et al. 1997; Oldenburg
1989).
Da die meteorologischen Eingangsdaten des
Modells in Halbstundenwerten vorliegen, sind auch die
Ausgangsparameter des Emissionsmoduls (Geruchsstrom, Austrittsgeschwindigkeit,
Austrittstemperatur, Geruchskonzentration und Massenstrom) Halbstundenwerte.
Der jahreszeitliche Verlauf der
Geruchskonzentration der Abluft und damit der Emission ist vor allem durch die
variable Volumenstromanlage bedingt. Bei geringen Außentemperaturen werden durch
möglichst geringen Volumenstrom die auftretenden Wärmeverluste minimiert, bei
hohen Außentemperaturen wird ein hoher Volumenstrom angestrebt, um die sensible
Wärmelast des Stalles (Wärmeabgabe der Tiere) abzuführen. Die
Geruchskonzentration der Abluft verhält sich umgekehrt proportional zum
Volumenstrom. Somit sind im Sommer und tagsüber die Geruchskonzentrationen im
allgemeinen deutlich geringer als im Winter und nachts.
Das im AODM verwendete Ausbreitungsmodell
ist das in Österreich für Begutachtungen eingesetzte Gauß’sche
Ausbreitungsmodell der ÖNorm M 9440 (1992/96), das von Kolb (1981)
ausführlich beschrieben wurde. Bei dem Modell handelt es sich um ein Gauß’sches
Fahnenmodell für Schornsteinemissionen und Entfernungen bis 15 km. Die
Schornsteinüberhöhung im Modell wird aus einer Kombination von Formeln von
Carson und Moses (1969) und Briggs (1975) bestimmt. Die
Ausbreitungsklassen werden unter Verwendung von Streuungsparametern nach
Reuter (1970) als Funktion der halbstündigen mittleren Windgeschwindigkeit
und einer Kombination aus Sonnenhöhe und Bedeckungsgrad berechnet.
Eine Evaluierung des Gauß-Modells erfolgte
anhand internationaler Musterdatensätze aus Kincaid, USA (Pechinger und
Petz, 1995) und Kopenhagen und Lillestrøm (Pechinger und Petz, 1997)
mit einem Statistikpaket von Olesen (1994) und Hanna et al. (1991).
Der Vergleich mit den Datensätzen aus Kincaid und Kopenhagen ergab eine gute
Übereinstimmung mit den Messdaten bzw. eine Überschätzung der Messergebnisse um
den Faktor 2. Die Bedingungen in Lillestrøm (winterliche
Inversionswetterlage mit Schneedecke und schwachem Wind) waren zu komplex, um
mit Gaußmodellen korrekt erfasst werden zu können.
Das Ausbreitungsmodell liefert
Halbstundenmittelwerte der Geruchskonzentrationen in ebenem oder leicht orographisch
modifiziertem Gelände, wobei gemäß der zitierten Ö Norm windschwache
Lagen, Temperatur - Inversionen sowie nach Kolb (1981) die orographische
Modifikation berücksichtigt werden.
Für die Geruchsrezeption durch den
Menschen sind nicht Halbstundenmittelwerte von Geruchskonzentrationen, sondern
kurzfristig - im Bereich von wenigen Sekunden - auftretende Spitzenwerte von
Bedeutung. Das Problem ist in Abb. 3 anschaulich dargestellt. Die Parameterisierung
des Verhältnisses von Spitzen- zu Mittelwert ("peak-to-mean") erfolgt
im AODM in Abhängigkeit von den meteorologischen Bedingungen (Schauberger et
al., 2000) und geht damit über einfachere, aber weit verbreitete Ansätze
(z.B. Faktor 10 - Modell der TA-Luft, Jost, 1999, Teil 11,
Kapitel 6) hinaus. Diese Parameterisierung ergibt im Nahbereich der
betrachteten Anlage die erwarteten hohen Momentankonzentrationen.
a
b
Abb. 3: Schematischer Verlauf
der Konzentration der Geruchsimmission über einen Zeitraum von 5 Minuten. (a)
Zusammenhang zwischen dem Mittelwert und der Wahrnehmungsschwelle. (b)
Auftreten von Geruchsereignissen obwohl der Mittelwert unterhalb der Wahrnehmungsschwelle
liegt.
Das peak-to-mean - Verhältnis, also das Verhältnis von
Konzentrationsmittelwert über ein vorgegebenes Integrationsintervall zu dem
Maximalwerten, wird mathematisch wie folgt beschrieben (Smith, 1973):
(1)
Dabei ist Cm die mittlere Konzentration über die
Integrationszeit tm (Mittelwert z. B. über eine halbe Stunde), Cp
der Momentanwert über eine Integrationszeit tp, z. B. einzelner
Atemzug (5 Sekunden). Der Exponent u ist nach Smith (1973) in folgender
Weise von der atmosphärischen Stabilität (Ausbreitungsklassen; Ö Norm M
9440, 1992/96) abhängig: 0.35 (Klasse 4), 0.52 (Klasse 3) and 0.65
(Klasse 2). Mit tm = 1800 s (Halbstundenmittelwert) and tp
= 5 s (Dauer eines einzelnen Atemzugs) erhält man mittels quadratischer Funktion
die folgenden peak-to-mean Faktoren in Abhängigkeit von den Ausbreitungsklassen
(Schauberger et al., 2000b): 43.25
(Klasse 2), 20.12 (Klasse 3), 9.36 (Klasse 4), 4.36 (Klasse 5), 1.00
(Klasse 6) und 1.00 (Klasse 7).
Die somit erhaltenen peak-to-mean - Verhältnisse gelten für
den Nahbereich um die Emissionsquelle; mit zunehmender Entfernung von der
Quelle nehmen sie wegen der turbulenten Durchmischung der Atmosphäre ab. Im
AODM wird diese Abnahme nach einem Ansatz von Mylne und Mason (1991) mit Hilfe
einer exponentiellen Abklingfunktion T/tL parametrisiert, mit
der Reisezeit T = x/u als Quotient der Weglänge x und der
Windgeschwindigkeit u und tL als Maß für den Lagrange’schen
Zeitscale (Mylne, 1992):
(2)
mit ψ0
als peak-to-mean Faktor aus Gleichung (1).
Der Zeitscale tL wird gleich σ/ε gesetzt, wobei
die
Varianz der Windgeschwindigkeit als Mittel über die drei Windkomponenten u,
v, and w ist. Für ε, die
Dissipationsrate der turbulenten kinetischen Energie, gilt
(3)
mit k=0.4 als von Karman - Konstante und z = 2 m
als Rezeptorhöhe, der menschlichen Nase. Tabelle 4.1 enthält das
Verhältnis der Varianzen der Windkomponenten zur horizontalen
Windgeschwindigkeit u in Abhängigkeit von den Ausbreitungsklassen. Für die
Klassen 6 und 7 ist das peak – to – mean – Verhältnis 1. Für
/ u and
/ u werden Werte von
Robins (1979) ohne Stabilitätsabhängigkeit verwendet.
/ u wird
stabilitätsabhängig angesetzt, wobei aufgrund unserer langjährigen Erfahrung
mit Sodar-Messungen eine zunehmende Bedeutung von
im Vergleich zu u
bei instabilen Bedingungen angenommen wurde. Die Werte in Tabelle 1 werden
im gegenständlichen Projekt anhand von Ultraschallanemometer – Daten zu
überprüft.
Tabelle 1:
Quotient aus der Varianz der drei Komponenten des Windes u, v and w und der
Windgeschwindigkeit als Funktion der Ausbreitungsklasse
|
Ausbreitungs-
klasse
|
/ u
|
/ u
|
/ u
|
|
2
|
0.2
|
0.2
|
0.3
|
|
3
|
0.2
|
0.2
|
0.2
|
|
4
|
0.2
|
0.2
|
0.1
|
|
5
|
0.2
|
0.2
|
0.1
|
Die Momentankonzentration Cp wird
schließlich mittels Gleichung 4.4 berechnet:
(4)
Diese
Vorgangsweise führt zu einer allmählichen Abnahme des peak to mean –
Verhältnisses mit zunehmender Entfernung, Windgeschwindigkeit und
Ausbreitungsklasse, wie die Abbildung 4 zeigt. Für die Klassen 2
und 3 nimmt ψ in Quellnähe und für niedrige
Geschwindigkeiten sehr hohe Werte an, um mit zunehmender Windgeschwindigkeit
und Distanz rasch auf Werte gegen 1 abzufallen. Dies ist in
Übereinstimmung mit der gängigen Vorstellung, dass vertikale Durchmischung bei
schwachem Wind lokal zu kurzen Perioden mit erhöhten Bodenkonzentrationen bei
insgesamt niedrigen Umgebungswerten führen kann. Für Klasse 4 ist die Abnahme des peak to mean –
Verhältnisses mit zunehmender Windgeschwindigkeit und Entfernung geringer, weil
die vertikale Durchmischung reduziert ist und die horizontale Diffusion den
Ausbreitungsprozess dominiert. Dies ist für Klasse 5 noch stärker
ausgeprägt, wo das peak to mean – Verhältnis den Wert 2 nicht
überschreitet.
a
b
c
d
Abb. 4: Abklingfunktion
ψ des peak to mean - Verhältnisses mit der Entfernung für
Ausbreitungsklasse 2 (a), 3 (b), 4 (c) and 5 (d) und in Abhängigkeit von der
Windgeschwindigkeit
Pubklikationen zum AODM